Literaten am MyBuxi-Steuer

Marion Venus in der Chessna. Foto: zvg

Wer im MyBuxi-Büsli fährt, kann einiges erfahren – auch über ausfallende Zähne und abstürzende Flugzeuge.

Daniel J. Schüz

Was ist der Unterschied zwischen einem Mybuxi-Fahrzeug und seinem Fahrer? Hört sich an wie eine Scherzfrage, doch die Antwort ist kein Witz: Es geht um den Buchstaben r. Denn das Fahrzeug ist ein Auto, der Fahrer ein Autor – zwischen Zürichsee und Greifensee gleich drei Mal. Mindestens.

Tatsächlich könnte ein veritabler Professor vorfahren, wenn man in «Zürich-Ost» (eine von schweizweit neun MyBuxi-Regionen) über die Mybuxi-App (iOS/Android) das Fahrt-auf-Verlangen-Mobilitätsangebot ordert.

Prof. Dr. med. dent. Ulrich Saxer hat vor vierzig Jahren an der Uni Zürich habilitiert; er war Vordenker und Wegbereiter der landesweiten Dental-Hygiene, hat diesen zahnmedizinischen Dienst zur Norm gemacht, Berufsbild und Ausbildung der Dentalhygienikerinnen institutionalisiert und so dafür gesorgt, dass Parodontitis und ähnliche Zahnfleischerkrankungen nahezu verschwunden sind.

Am Steuer seines Kleinbusses findet er den Ausgleich zur akademischen Forschung: «Da komme ich mit netten Menschen ins Gespräch», freut er sich. «Das Autofahren hat mir schon immer Spass gemacht, es ist der ideale Ausgleich zur einsamen Arbeit am Computer.» Eines allerdings mag er gar nicht: «Am Bahnhof herumstehen, wenn nichts läuft – und ewig warten, bis wieder eine Bestellung hereinkommt!» Wenn es zu langweilig wird, fährt er nach Hause und schreibt an seinem neuesten Buch weiter. «Es geht um die oft unterschätzte Bedeutung der Mund-Bakterien für unsere Gesundheit», verrät er.

Da summt das MyBuxi-Handy – und der Herr Professor muss los. Oder die Frau Doktor – falls gerade ein akademisch-literarischer Schichtwechsel ansteht und die Fahrerin mit dem schönen Namen Marion Venus den Dienst antritt. Das sei im Fall kein Pseudonym, schmunzelt sie. «So steht es in meinem Pass!»

Marion Venus hat klinische Psychologie und Psychosomatik studiert, sie ist brevetierte Privatpilotin und frischgebackene Autorin. «Mitte September erscheint mein drittes Buch!», freut sie sich, als stünde die Geburt ihres ersten Kindes bevor. Akribisch verknüpft «Die menschliche Seite der Flugsicherheit» aviatische Leidenschaft mit wissenschaftlicher Kompetenz. «Wenn bei einem Absturz nach der Ursache geforscht wird, geht es vor allem um technische Fragen», erklärt Marion Venus. «Dabei spielt der Faktor Mensch oft die entscheidende Rolle – und das wird gerne vernachlässigt.» So stellt Marion Venus die Frage in den Raum, ob 150 Menschenleben hätten gerettet werden können, wenn die bekannten seelischen Abgründe eines Co-Piloten ernst genommen worden wären. Der Mann hatte vor elf Jahren einen «erweiterten Selbstmord» verübt, als er über den französischen Alpen einen «German Wings»-Airbus in die Berge steuerte.

Wenn Marion Venus zwischen Küsnacht und Maur das MyBuxi-Büsli pilotiert, «schätze ich die zwischenmenschlichen Kontakte, die sich ergeben – als Ausgleich zur Einsamkeit, die vorherrscht, wenn man Bücher oder wissenschaftliche Publikationen verfasst.»

«Stimmt genau», pflichtet ihr der schreibende und fahrende Kollege Ulrich Saxer bei. Und auch der Autor dieser Zeilen sieht das ganz ähnlich. Er führt zwar weder einen Professoren- noch einen Doktortitel, aber auch er lenkt sehr gerne den MyBuxi-Opel über den Pfannenstiel. Und zwischendurch arbeitet er an einem Roman-Manuskript. Es soll sein viertes Buch werden.

Bild: Marion Venus in der Chessna. (Foto zvg)

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